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Standortfaktor Kinder- und Familienfreundlichkeit –
eine Aufgabe für ganz Baunatal
Ein Konzept von Andreas Mock
Längst ist das Thema Kinder- und Familienfreundlichkeit
in den Kommunen vom gesellschaftspolitischen zum wirtschafts-
beschäftigungspolitischen Thema geworden. Neben Boden-
preisen und neuen Technologien ist die Infrastruktur einer
Kommune
für Familien und ihre Kinder ein wichtiger Standortfaktor
geworden, um Unternehmen und Fachkräfte an- zulocken.
So genannte weiche Faktoren wie Bildungsangebote, Kinderbetreuung,
Freizeitgestaltung und Stadtteilintegration gewinnen mehr
und mehr an Bedeutung. Sie werden auch zu den Aushängeschildern,
die im Marketing der Städte positiv hervorgehoben werden.
Doch welche Rolle spielen Familien heute im Selbstverständnis
der Kommunen? Was muss sich ändern, damit Kinder und
Familien in den Kommunen willkommen fühlen? Welche Bausteine
gehören zu einer kinder- und familienfreundlichen kommunalen
Politik?
Familien schaffen die Basis der Generationengerechtigkeit
und der Bereitschaft, Fürsorge für andere zu übernehmen.
All dies kommt nicht nur den Familienangehörigen zugute,
sondern nutzt jedermann! Deswegen gründen die Konzepte
der CDU Baunatal auf der Unterstützung von Familien,
egal ob sie zur klassischen Form gehören oder eine Patchwork
oder eine Alleinerziehende Familie sind. Dabei geht es nicht
nur um finanzielle Förderung von Familien, sondern auch
um gesell- schaftliche Annerkennung und mehr Toleranz gegenüber
Kindern.
Eine zeitgemäße Familienpolitik stellt sich in
den Dienst der Menschen, der Ehepaare und Familien. Sie ist
gegen Gefahren ihrer Instrumentalisierung durch Arbeitsmarkt-
und Bevölker- ungspolitik gefeit. Sie nutzt Spielräume,
die durch Handlungs- bedarf anderer gesellschaftlicher Akteure
entstehen, aber sie orientiert sich an den realen Bedürfnissen
von Eltern und Kindern. Ihr Ziel ist es, Menschen, die sich
für ein Leben in der Familie entschieden haben, Rahmenbedingungen
zu sichern, die diese Option nachhaltig lebbar machen. Sie
zielt darüber hinaus darauf ab, jenen Menschen, die
sich für Kinder entscheiden möchten, diese Entscheidung
zu ermöglichen und ihnen dabei zu helfen, eine die Familie
betreffende Lebens- planungen zu realisieren.
Familienpolitik steht heute gelegentlich in der Gefahr, zu
einer modischen Mischung aus flankierender Arbeitsmarktpolitik
und sozialversicherungsmotivierter Bevölkerungspolitik
zu mu- tieren. Die Akzeptanz, die so genannte Familienpolitik
als Chefsache genießt, geht leider allzu offensichtlich
auf diesen Ansatz zurück.
Interesse wächst an komplementär zu den Arbeitsplatz-
erfordernissen ausgestalteten Kinderbetreuungs- angeboten,
die es beiden
jungen Eltern ermöglichen, erwerbs- tätig zu sein.
Eine Entwicklung, die Frauen vor die Alternative Kind oder
Karriere
stellt, ist nicht länger akzeptabel. Die in einer solchen
Entweder-Oder-Situation getroffene Entscheidung ist in
der jüngeren Vergangenheit immer häufiger gegen
das Kind gefällt worden, unsere Bevölkerungspyramide
kippt und wichtige wirtschaftliche Strukturen (nicht nur
in der Sozialversicherung) drohen damit ins Wanken zu geraten.
Eine Familienpolitik, die mehr und anderes sein will als
die Flankierung berufsbedingter Flexibilitätsanforderungen
für Arbeitnehmer mit Kindern, steht in spannungsreicher
Be- ziehung zu anderen Politikbereichen, denn Familien stehen
mit ihren Existenzvoraussetzungen und Wertgrundlagen heute
immer öfter im Konflikt mit dominierenden gesellschaftlichen
Spielregeln und Wertungen: Das Leben in der Familie erfordert
Haltungen, die in der Gesellschaft oft wenig Unterstützung
erfahren. Entschiedenheit für den Partner und für
die Kinder, Verlässlichkeit und Solidarität, Unkündbarkeit
und Rücksicht- nahme - Werte, die die Grundlagen für
die Familie darstellen - werden kaum honoriert, obwohl die
Gesellschaft selbst letztlich auf sie angewiesen ist. Mobilität
und Flexibilität werden von der Wirtschaft in einem
Maße erwartet, das mit den Stabilitätserfordernissen
von Familie zunehmend nicht mehr vereinbar ist. Durchsetzungsvermögen
und Ellenbogen- mentalität, übersteigerte Konsum-
und Erlebnisorientierung sind Elemente eines gesellschaftlichen
Anforderungsprofils, das einer einseitigen familien- und
menschenfeindlichen Auslegung von Modernität erliegt.
Beziehungslosigkeit droht als Folge übersteigerter einseitiger
Leistungsanforderungen, Einsamkeit als Kehrseite von Individualität
und Berufsorientierung. Die kompensatorische Bedeutung, die
der Familie mit ihrer Wertorientierung zukommt, kann sie
nur so lange erfüllen, wie die Gesellschaft selbst zum
Erhalt der entsprechenden Wertgrundlagen beiträgt. Der
skizzierte Konflikt ist von einer eng verstandenen Familienpolitik
klassischen Zuschnitts, in deren Mittelpunkt die finanzielle
Förderung der Kinder steht, nicht zu lösen, statt
dessen muss eine als Gesellschaftspolitik verstandene zeitgemäße
Familienpolitik dazu beitragen, dass die für die Familien
konstitutiven Werte und Grundhaltungen im gesellschaftlichen
und politischen Bereich (zum Beispiel im Wirtschaftsprozess,
im Bildungssystem oder in der Medien- politik) wieder ihren
eigenen Ort erhalten und strukturell abgesichert werden.
I. Für junge Familien ergibt sich daraus für
die CDU folgendes Konzept:
1. gebührenfreier Kindergarten
Dank des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung
zur Abschaffung der Gebühren für das dritte Kindergartenjahr
und dem Bambini-Programm der hessischen Landesregierung,
fordert die CDU auch das zweite Kindergartenjahr gebührenfrei
zu stellen. Da beim Beschluss in der Stadtverordneten- versammlung über
die Kindergartengebühren von einer möglichen Förderung
durch das Land Hessen noch nichts bekannt war, gingen alle
Stadtverordnete, die für die Abschaffung der Gebühren
für das dritte Kindergartenjahr waren, davon aus, dass
die Stadt Baunatal sich diesen Verlust an Einahmen leisten
kann. Durch das Bambini-Programm können diese eingeplanten
städtischen Gelder, nun für das zweite Kindergartenjahr
ausgegeben werden. Durch die Abschaffung der Gebühren
für das erste Kindergartenjahr, könnte es zu erheblichen
Spareffekten in der Verwaltung kommen, da die sozialgestaffelten
Gebühren ein sehr kompliziertes System mit hohem Verwaltungsaufwand
darstellen, welches durch den gebührenfreien Kindergarten
wegfallen würden. Darüber hinaus hätte man
durch den Verzicht auf einen hauptamtlichen Stadtrat, die
nötigen finanziellen Mittel für einen gebührenfreien
Kindergarten schon jetzt zur Verfügung.
2. Ausbau der unter dreijährigen Betreuung und Förderung
von Tagesmüttern
Die Sozialministerin Silke Lautenschläger hat angekündigt,
dass 45 Millionen Euro für den Ausbau von Betreuungsplätzen
für unter Dreijährige zur Verfügung gestellt
werden. Die CDU Baunatal appelliert an die Stadt, diese Fördermöglichkeit
zu nutzen. CDU Baunatal stellt fest, dass der Bedarf vor
Ort für mehr Plätze für Kleinstkinder sehr
hoch sei. Das Land erhöht die Fördermittel und
gibt damit einen Anreiz sowie Schützenhilfe. Die Stadt
Baunatal könnte ab 2007 je U3-Platz monatlich entweder
100 Euro für einen Halbtagsplatz (bis zu fünf Stunden)
oder 200 Euro für einen Ganztagsplatz (über fünf
Stunden) aus dem Fonds abrufen. Diese Regelung gilt gleichermaßen
für Krippen und Krabbelgruppen, altersübergreifende
Gruppen und Tagesmütter.
3. Gründung des Projektes Leihoma und Leihopa
Durch die Gründung eines Vereines Leihoma und Leihopa
sollen ältere Menschen angesprochen werden, die Interesse
haben, sich in ihrer Freizeit um Kinder zu kümmern und
entweder keine eigenen Enkelkinder überhaupt oder vor
Ort haben. Familien wiederum, die keine Angehörigen
haben, können dann auf dieses Angebot zurückgreifen.
Auf diese Art können nicht nur zeitliche Betreuungslücken
geschlossen werden, sondern alle drei Generationen profitieren
persönlich sehr viel vom Umgang miteinander.
4. Förderung eines Betriebskindergarten
bei VW
Bei der Schaffung einer kinderfreundlichen Stadt muss auch
die Wirtschaft mit eingebunden werden. Durch die Schaffung
eines Betriebskindergartens bei VW würden vielen Mitarbeitern
unnötige Wege gerade morgens abgenommen. Die Öffnungszeiten
für den Kindergarten könnten so einfach mit den
Arbeitszeiten abgestimmt werden. Die Stadt Baunatal könnte
das Personal aus einem zu schließenden städtischen
Kindergarten zur Verfügung stellen und wäre so
die Unterhaltskosten für ein Gebäude los. Andere
Städte und Gemeinden deren Einwohner ebenfalls Mitarbeiter
bei VW sind, könnten in dieses Konzept mit eingebunden
werden, um die Kosten weiter aufzuteilen. VW hätte den
Vorteil davon als familienfreundliches Unternehmen in der Öffentlichkeit
auf zutreten und damit Werbung zu machen, denn gerade Familien
will VW ja als Käuferschicht gewinnen. In der Stadt
Kassel erfreuen sich die Betriebskindergärten durch
ihre moderaten Öffnungszeiten sehr großer Beliebtheit,
auch bei nicht Betriebsangehörigen.
5. Planung von gemeinsamen Betreuungseinrichtungen von alten
Menschen und Kindern
Bei dem Bau neuer Altersheime, Pflegeeinrichtungen oder
vor allem bei dem Umbau von Wohnungen zum betreuten Wohnen,
sollt man neben einer möglichst zentralen Lage auch
die Möglichkeit der Kombination mit Kindergärten
und Horten berücksichtigen. Regelmäßige Besuche
der Baunataler Kindergärten in den hiesigen Altersheimen
und die überaus positive Resonanz auf die Besuche zeigen,
dass eine engere Zusammenarbeit für beide Seiten überaus
von Vorteil sein kann.
II. Für die Förderung von Jugendlichen ergeben
sich für die CDU folgende Konzepte:
1. Mehr kulturelle Veranstaltungen
für Jugendliche,
wie z B. eine einmal jährliche Discoparty in Zusammenarbeit
mit einem Radiosender
Veranstaltungen für Jugendliche sollten nicht nur unter
dem Aspekt Jugendbetreuung oder Jugendsozialarbeit betrachtet
werden. Vielmehr sollte ihre Kulturelle Bedeutung nicht unterschätz
und dementsprechend auch gefördert werden.
2. Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote für Jugendliche
auch aus nicht „Problemfamilien“
Bei der Zusammenstellung von städtischen Angeboten
für Jugendliche sollten auch wieder mehr junge Menschen
berücksichtigt werden, die nicht ausschließlich
aus Problemfamilien kommen. Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenmangel
haben längst auch die Familien des Mittelstandes erreicht.
Auch für diese Jugendlichen müssen Angebote geschaffen
werden.
3. Leitstelle für Vereinsarbeit soll den Sportvereinen
und der Musikschule bei Angeboten für die Ganztagsschule
helfen
Das Konzept der Ganztagsschule wird in Zukunft
immer mehr ausgebaut werden. Für die Vereine und andere
Einrichtungen kann die dadurch weniger werdende Freizeit
von Kindern und
Jugendlichen zum Problem für ihre eigene Nachwuchsförderung
werden. Um dieser Entwicklung rechtzeitig entgegen- zusteuern,
ist es wichtig das die verschiedenen Vereine in Baunatal,
aber auch die Musikschule, rechtzeitig über die Möglichkeiten
unterrichtet werden, wie sie sich sinnvoll an Betreuungsangeboten
beteiligen können
4. Förderung von Jugenddeligationen bei den
Städtepartner- schaften
Damit die Städtepartnerschaften auf ein neues Fundament
gestellt werden können, müssen umgehend im verstärkten
Maß Jugendliche und Jugendgruppen für die Arbeit
in den Arbeitskreisen der Städtepartnerschaften gewonnen
werden. Als Anreize könnten speziell geförderte
Reisen in die Partnerstädte dienen.
III. Für die Verwaltung ergeben sich folgende
Konsequenzen aus einem familienfreundlicheren Handeln:
1. Schaffung einer Stelle für
einen ehrenamtlichen Familienbeauftragten
Bei vielen Maßnahmen der Stadt werden nicht immer
bis in die Details die Konsequenzen für Familien bedacht,
die eine neue Regelung, eine Satzung oder ein Erlass mit
sich bringen. Ein Familienbeauftragter könnte schon
im Vorfeld der parlamentarischen Entscheidungen mit eingebunden
werden. Er kann als spezieller Ansprechpartner für Familien
dienen, wenn es Probleme mit der Stadt gibt. Darüber
hinaus kann er durch eigene Recherche auf Missstände
aufmerksam machen. Eingebunden werden kann der Familienbauftragte
auch in einen Familiebeirat.
2. Förderung von Telearbeitsplätzen für Mütter
bei der Stadtverwaltung
Die Schaffung von Telearbeitsplätzen für Mütter
und Väter kann zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie
und Beruf führen. Ist ein Elternteil auch am Vormittag
zu Hause, kann gerade bei Kleinkindern eine weiter Betreuung
unnötig werden.
3. Schaffung von mehr Fortbildungsmöglichkeiten während
der der Elternzeit
Auch für die Elternzeit sollten Fortbildungsangebote
ein- gerichtet werden. Müttern oder Vätern wird
so die Möglichkeit erschlossen, nicht den Anschluss
an das Berufsleben zu verlieren und bei der Rückkehr
in den Beruf sind sie schneller wieder eingearbeitet.
4. Abschaffung der Gebühr von 2,- € für Kinder
und Jugendlichen in der Stadtbücherei zur Stärkung
der Lesekompetenz
Die Jahresgebühr von 2,- € für den Leihausweis
von Kindern und Jugendlichen bei der Stadtbücherei Baunatal
ist nicht ansatzweise kostendeckend für die Ausstellung
des Ausweises. Sie kann daher nur symbolischen Charakter
haben. Es ist aber doch sicherlich im Interesse aller gesellschaftlichen
Gruppen und so auch im Interesse der Stadt Baunatal, Lesekompetenz
von Kinder und Jugendlichen zu fördern. Ein Verzichten
auf die symbolische Gebühr von 2,- € würde
ein Signal geben, dass man will, dass gerade schon Kinder
möglichst früh an das Lesen, auch in der Freizeit,
herangeführt werden.
5. Ausgabe von Windelsäcken an junge Familien
Familien und Hausgemeinschaften mit mehreren kleinen Kindern
haben bei der Verwendung von Einwegwindeln ein sehr hohes
Aufkommen von Restmüll. Dies führt in vielen Fällen
dazu, dass trotz sonst konsequenter Mülltrennung, immer
größere Restmülltonnen geordert werden müssen.
Manchmal reichen aber auch die nicht aus, wenn z. B. in einem
Mehrfamilienhaus mehrere Familien mit Kleinkindern leben.
Durch die größeren Tonnen werden die Familien
mit höheren Gebühren belastet. Damit diese Gebühren
nicht entstehen, sollten Familien nach der Geburt eines Kindes
von der Stadt Windelsäcke erhalten, in denen die Windel
kostenneutral entsorgt werden können.
6. Senkung des Quadratmeterpreises
beim Verkauf von städtischen
Grundstücken an junge Familie
Die Stadt Baunatal soll durch die Senkung
des Quadratmeterpreises beim Verkauf von städtischen
Grund- stücken an junge
Familien einen Anreiz schaffen, dass diese Familien sich
in Baunatal niederlassen. Gerade für eine junge Familie,
die bauen will, wäre ein Entgegenkommen beim Grundstückpreis
ein sehr großer Anreiz nach Baunatal zu ziehen, denn
in der Bauphase ist jeder Euro interessant, der gespart werden
kann.
7. Prüfung der Möglichkeit von differenzierten
Gebühren und Abgaben bei Familien
Familien mit Kindern haben z. B. einen erhöhten Wasserverbrauch
als Alleinstehende oder Paare. Die Zahl der Verdiener in
einer Familie ist aber auch eingeschränkt, deswegen
soll bei der Gebührenberechnung nicht nur Wohnfläche
oder die Personenanzahl berücksichtigt werden, sondern
auch die Frage wie viel Minderjährige Kinder in dem
Haushalt leben.
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